In der «Volksstimme» diskutieren Stefan Degen, Präsident der Steuer Liga, und GLP-Landrätin Sabine Bucher über die Zukunft des Baselbieter Steuersystems. Für Degen ist klar: Eine Vereinfachung ist nötig. Die Reform muss aber weiter gehen, wenn Basel-Landschaft im Steuerwettbewerb wieder mithalten und gute Steuerzahlende anziehen will.
Die Handelskammer beider Basel hat eine Reform der Baselbieter Einkommenssteuer vorgeschlagen. Im Raum steht eine Entlastung von rund 80 Millionen Franken beim Kanton beziehungsweise rund 130 Millionen Franken für Kanton und Gemeinden zusammen. Ziel des Vorschlags ist es, das heutige Steuersystem zu vereinfachen, die Progression abzuflachen und die Steuerbelastung insbesondere für den Mittelstand zu senken.
Im Interview mit der «Volksstimme» sind sich Stefan Degen und Sabine Bucher darin einig, dass das heutige Baselbieter Steuersystem kompliziert und reformbedürftig ist. «Ich würde es ebenfalls begrüssen, wenn die Steuerformel im Baselbiet vereinfacht würde», sagt Degen. Unterschiedlich beurteilen die beiden jedoch, wie weit die Entlastung gehen soll und welche finanzpolitischen Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.
Entlastung soll Standort stärken
Aus Sicht des Steuer Liga Präsidenten genügt eine rein technische Anpassung des Tarifs nicht. Der Kanton Basel-Landschaft braucht eine Reform, die spürbar wirkt und den Standort stärkt. Degen hält fest, dass der Kanton im Steuerwettbewerb wieder besser werden müsse, damit «mehr Fachkräfte und gut Verdienende ins Baselbiet ziehen». Der Vorschlag der Handelskammer gehe zwar in die richtige Richtung, reiche aber nicht aus. «Der Steuer Liga geht der Vorschlag zu wenig weit», sagt Degen.
Entscheidend ist der Vergleich mit den tatsächlichen Konkurrenzstandorten. Das Baselbiet darf sich nicht damit zufriedengeben, gegenüber Nachbarkantonen und attraktiven Nachbarsgemeinden weiterhin deutlich schlechter abzuschneiden. Dort zahlen Erwerbstätige je nach Wohnort deutlich weniger Steuern als im Baselbiet. Verringert die Reform den steuerlichen Rückstand gegenüber den Konkurrenzstandorten nur wenig, kann sie bestenfalls Wegzüge bremsen. Für den Zuzug zusätzlicher einkommensstarker Steuerpflichtiger dürfte sie kaum ausreichen.
Einfacheres System und flachere Progression
Ein zentrales Anliegen Degens ist die Vereinfachung des Steuersystems. Er spricht sich für eine deutlich flachere Progression, weniger Ausnahmen und Abzüge sowie einen verständlicheren Tarif aus. Das Ziel sei ein System, das Leistung weniger stark belastet und für die Bevölkerung besser nachvollziehbar ist.
Gleichzeitig befürwortet Degen eine minimale Beteiligung aller Steuerpflichtigen an den Staatskosten. Auch Personen mit sehr tiefem steuerbarem Einkommen sollen nach seiner Vorstellung einen kleinen Mindestbetrag entrichten. Damit verbindet er die Forderung nach einer Entlastung der Leistungsträger mit dem Grundsatz, dass sich möglichst alle zumindest in geringem Umfang an der Finanzierung staatlicher Aufgaben beteiligen
Auch die Ausgaben gehören zur Reformdebatte
Zur Steuerdebatte gehört für Degen auch die Ausgabenseite. In der Steuerpolitik dürfe man nicht nur über Sätze und Abzüge sprechen; auch die Gesamtfinanzen spielten eine Rolle. «Steuersenkungen sind für mich zudem keine Kosten, sondern eine Investition in die Zukunft», sagt Degen. Er kritisiert, dass der Kanton viele Aufgaben zu den Gemeinden geschoben habe, während seine Verwaltung gewachsen sei. Zudem verweist er auf Probleme bei Veranlagungen, auf Verpflichtungen aus der Pensionskassenreform und auf die Finanzierung des Kantonsspitals. Sein Fazit: Mehrere Kantone hätten trotz tieferer Wirtschaftskraft und höheren Infrastrukturkosten tiefere Einkommenssteuern. Im Baselbieter System stimme deshalb etwas nicht, die Ausgaben seien zu hoch. Die Steuer Liga sieht darin einen klaren Auftrag: Eine glaubwürdige Steuerreform braucht Ausgabendisziplin, transparente Staatsfinanzen und klare Prioritäten.
Kritisch beurteilt Degen auch den Vorschlag eines direkten Steuerabzugs vom Lohn. Dieser würde insbesondere die Unternehmen mit zusätzlichen administrativen Aufgaben belasten.
Das Interview macht deutlich, dass sich die politische Debatte nicht mehr darum dreht, ob das Baselbieter Steuersystem reformiert werden muss. Entscheidend ist nun, ob der Kanton eine moderate Korrektur vornimmt – oder den Mut zu einer Reform aufbringt, die den Kanton Basel-Landschaft als Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort tatsächlich stärkt.
Quelle: «Volksstimme», Ausgabe vom 17. Juli 2026. Zum vollständigen Interview.