Die Baselbieter Steuer Liga startet mit bekanntem Kern und neuem Auftritt: tiefere direkte Steuern,
weniger Regulierung und der Forderung nach einem schlanken Staat. Präsident Stefan Degen (CFO Allpack Group AG & Konapharma AG) erklärt, warum jetzt Hürden abgebaut, Regeln vereinfacht und Haushalte sowie KMU spürbar entlastet werden müssen.
«Steuergelder sorgfältig einsetzen»
Standpunkt:
Herr Degen, wer steht hinter der Baselbieter Steuer Liga?
Stefan Degen:
Die Steuer Liga ist die unabhängige Stimme der Steuerzahlenden im Baselbiet. Wir sind keine Partei, sondern ein Zusammenschluss von Mitgliedern und Fachleuten aus der Wirtschaft. Früher hiess die Organisation «Liga der Baselbieter Steuerzahler». Nun haben wir das Erscheinungsbild und den Auftritt verändert, um nach aussen klarer aufzutreten.
Standpunkt:
Wofür steht die Steuer Liga?
Stefan Degen:
Wir wollen die direkten Steuern senken und die Progression deutlich abflachen. Dazu verlangen wir: tiefere Staatsquote, weniger Bürokratie sowie keine weitere Harmonisierung. Die kantonale Steuerhoheit und der Steuerwettbewerb sollen bewahrt werden.
Standpunkt:
Warum braucht es die Steuer Liga?
Stefan Degen:
Kostendruck, schwaches Wachstum, Aufgaben- und Finanzplan 2026–2029, genannt AFP, US-Zölle,
OECD-Mindestbesteuerung und so weiter: Jetzt braucht es Ausgabendisziplin, Hürdenabbau und spürbare Entlastungen für Haushalte und KMU. Steuergelder sollen sorgfältig eingesetzt werden.
Standpunkt:
Was heisst «Steuern senken» konkret für Sie?
Stefan Degen:
Jeder nicht besteuerte Franken stärkt Konsum, Ersparnis oder Investitionen – und sorgt damit für eine wachsende Standortqualität und mehr Wohlstand. Viele Gemeinden liegen bei der Steuerlast im oberen Drittel – das wollen wir ändern.
Standpunkt:
Wie soll der Tarif bei den Steuern denn aussehen?
Stefan Degen:
Wir wollen eine Abflachung der Progression und langfristig eine FlatRate-Tax: Es soll einfacher, berechenbarer, leistungsfreundlicher werden.
Standpunkt:
Wo klemmt es für Sie wirtschaftlich besonders im Baselbiet?
Stefan Degen:
Vor allem in zwei Belangen sehen wir Handlungsbedarf: einerseits im Umsetzungstempo, andererseits in der Infrastruktur. Unternehmen brauchen schnelle Bewilligungen und verlässliche Steuern – plus eine Grundinfrastruktur für Verkehr, Daten und Strom. In Industriearealen fehlt teils Hochleistungsstrom
oder ein Ausbau mit Glasfasern; auch die Erschliessung ist ein Thema. Gerade Tech-Betriebe sowie ein
Grossteil der Industrie sind darauf angewiesen.
Standpunkt:
Wie sollte der Kanton Basel-Landschaft auf die US-Zölle reagieren?
Stefan Degen:
In einer ersten Priorität sollen Unternehmen gezielt über Gebühren- respektive Abgabenreduktionen entlastet werden. Zudem gilt es, Bürokratie abzubauen sowie Bewilligungen zu beschleunigen.
Standpunkt:
Was ist Ihre Haltung zur OECD-Mindestbesteuerung?
Stefan Degen:
Es handelt sich hier um ein politisch fragiles Gebilde – zentrale Länder
ziehen nicht mit. Falls Zusatzeinnahmen anfallen, müssen diese strickt zweckgebunden verwendet
werden. Der Kanton sollte Schulden abbauen, um Spielraum für die Zukunft zu schaffen.
Standpunkt:
Wie lesen Sie den Aufgaben- und Finanzplan 2026–2029?
Stefan Degen:
Der Plan sendet ein deutliches Warnsignal: 2026 resultiert ein Defizit von minus 33 Millionen Franken, der Selbstfinanzierungsgrad liegt bei rund 59 Prozent, und über die ganze Periode summiert sich der Finanzierungssaldo auf minus 141 Millionen Franken. Die Nettoinvestitionen bleiben durchgehend hoch, zwischen 197 und 274 Millionen Franken pro Jahr, während der Zielüberschuss von 60 Millionen Franken in keinem Jahr erreicht wird. Die Konsequenz daraus ist klar: Wir müssen Disziplin wahren, Ausgaben konsequent priorisieren und Reserven aufbauen. Eine Personalaufstockung beim Staat beispielsweise sollte nur nach messbaren Effizienzgewinnen möglich sein, ansonsten müssen Stellen abgebaut werden. Und Mehreinnahmen sind strikt zweckgebunden zu verwenden. Zudem bedingen Investitionen in dieser Höhe bedingen entsprechende Abschreibungen – und gehören in den Kernauftrag: die Grundinfrastruktur.
Das Interview mit Stefan Degen im Standpunkt der Wirtschaft:
https://publikationen.kmu.org/standpunkt-604-17-oktober-2025/70795956